Interne Verlinkung klingt nach Feinschliff, war bei mir aber ein echtes Problem. Bei einer Prüfung am 28. Juli 2026 hatten acht von elf Blogartikeln auf jolie-webdesign.de keinen einzigen Link von einem anderen Artikel. Dieser Beitrag zeigt, wie ich das gefunden habe, welche Regeln ich seitdem anwende und was die Verlinkung bei mir bewirkt hat und was nicht. Am Ende bekommst du einen Prüfplan, mit dem du deine eigene Seite in einer Stunde durchgehen kannst.
Der Auslöser: eine Prüfung am 28. Juli 2026
Auslöser war ein Ärgernis, das viele Website-Betreiber kennen. Ich hatte mehrere Artikel veröffentlicht, sie waren in der Sitemap, technisch sauber, ohne Sperrvermerk. Trotzdem meldete die Search Console bei einigen Beiträgen „Gecrawlt, zurzeit nicht indexiert“. Google hatte die Seiten also besucht und sich gegen eine Aufnahme entschieden. Bei anderen war es noch schlimmer: Google kannte die Adresse überhaupt nicht.
Ich ging die üblichen Verdächtigen durch: Titel, Meta-Beschreibung, Canonical, robots.txt, Ladezeit. Alles in Ordnung. Dann habe ich mir angesehen, was ich bis dahin nie gemessen hatte: Wer verlinkt eigentlich auf welchen Artikel? Dafür habe ich mir ein kleines Prüfwerkzeug gebaut, das alle Artikel abruft und zählt, welche Links im eigentlichen Artikeltext stehen. Navigation und Fußzeile zählen dabei bewusst nicht mit, denn die stehen auf jeder Seite und sagen nichts darüber aus, welche Beiträge inhaltlich zusammengehören.
Das Ergebnis war unangenehm eindeutig. Ich zeige es dir gleich. Vorher lohnt sich ein kurzer Blick darauf, warum diese Zahl überhaupt wichtig ist.
Was interne Verlinkung für Google und Besucher leistet
Interne Verlinkung heißt: Du verknüpfst Seiten deiner eigenen Website miteinander. Ein Link im Fließtext, der von einem Artikel auf einen anderen Artikel oder auf eine Leistungsseite führt. Das hat zwei Aufgaben, und beide sind ganz praktisch.
Erstens finden Suchmaschinen neue Seiten über Links. Googles Crawler folgt Verweisen von Seite zu Seite. Eine Sitemap hilft ihm, Adressen zu entdecken, aber sie ersetzt nicht das Signal, das ein Link sendet: Diese Seite gehört zum Rest der Website und ist es wert, besucht zu werden. Eine Seite, auf die nirgends verlinkt wird, nennt man verwaiste Seite oder Orphan Page. Sie existiert, aber der Weg zu ihr führt nur über die Sitemap.
Zweitens verteilen interne Links Aufmerksamkeit. Seiten, die oft und prominent verlinkt sind, wirken für Suchmaschinen wichtiger als Seiten, die am Rand hängen. Wie genau Google das gewichtet, sagt Google nicht, und jede Zahl dazu wäre geraten. Als Grundgedanke taugt es trotzdem: Wenn du willst, dass eine Seite gefunden wird, muss deine Website selbst auf sie zeigen.
Dazu kommt der Nutzen für Menschen, und der wird gern unterschätzt. Wer einen Artikel über Suchintention liest, will vielleicht als Nächstes wissen, wie man ein Keyword findet. Ein Link an der richtigen Stelle beantwortet die Frage, bevor sie gestellt wird. Das hält Besucher länger auf der Seite und führt sie näher an das, was sie eigentlich suchen.
Der Befund: acht von elf Artikeln ohne eingehenden Link
Zurück zu meiner Prüfung. Am 28. Juli 2026 waren elf Artikel online. Acht davon hatten keinen einzigen eingehenden Link aus einem anderen Artikel. Sie waren nur über die Übersichtsseite des Blogs und die Sitemap erreichbar.
Die Ursache war hausgemacht. Meine Vorgabe für neue Beiträge lautete bis dahin: Verlinke zwei bis drei Unterseiten wie Webdesign oder Kontakt. Von anderen Artikeln stand dort nichts. Also verlinkte jeder Beitrag brav nach oben auf die Leistungsseiten und nie zur Seite auf einen verwandten Beitrag. Jeder Artikel war eine Sackgasse, und neue Artikel bekamen keinen Besuch von alten.
Ob das allein der Grund für die fehlende Aufnahme in den Index war, kann ich nicht beweisen. Es spricht aber vieles dafür, dass es einer der Gründe war: Google hatte kaum Anlass, einen Beitrag für wichtig zu halten, den die eigene Website nirgends empfiehlt. Ich habe deshalb nicht lange diskutiert und die Struktur geändert.
Meine Regeln seit dem Befund
Seit dem 28. Juli gelten für jeden neuen Artikel drei feste Regeln. Sie sind bewusst einfach, damit sie auch an einem vollen Tag eingehalten werden.
- Jeder Artikel verlinkt auf mindestens einen älteren Artikel. Nicht irgendeinen, sondern einen, der thematisch passt. Wer über Meta-Beschreibungen schreibt, verweist passend auf den Beitrag über Suchintention, weil beides zusammen erklärt, warum ein Klick passiert.
- Jeder neue Artikel bekommt einen eingehenden Link. Nach der Veröffentlichung ergänze ich in einem passenden Altartikel einen Satz, der auf den neuen Beitrag zeigt. Ohne diesen Schritt wäre der Neuling in dem Moment verwaist, in dem er erscheint.
- Nach jeder Veröffentlichung läuft die Prüfung. Mein Werkzeug baut den Linkgraphen neu auf und nennt jeden Artikel ohne eingehenden Link beim Namen. Gilt eine Seite als verwaist, ist die Arbeit nicht fertig.
Der zweite Punkt ist der, der am häufigsten vergessen wird. Wer nur nach vorn plant, also neue Artikel auf alte verweisen lässt, baut ein Netz, das nur in eine Richtung wächst. Die ältesten Beiträge bekommen viele Links, die jüngsten keinen. Erst der Rückverweis schließt die Lücke.
Ein Beispiel aus meinem eigenen Blog: Der Beitrag zur Content-Strategie beschreibt, wie du Themen planst und gliederst. Interne Verlinkung ist die technische Umsetzung dieser Planung, deshalb gehört der Verweis dorthin. Aus der Planung folgt die Linkstruktur, und aus der Linkstruktur ergibt sich, welcher Artikel wohin zeigt.
Ankertexte: Sag dem Leser, wohin der Link führt
Der Ankertext ist der klickbare Teil eines Links. Er hat zwei Leser: den Menschen, der entscheidet, ob er klickt, und die Suchmaschine, die daraus ableitet, worum es auf der Zielseite geht.
Drei Regeln haben sich bei mir bewährt:
- Beschreibe das Ziel. „Mehr dazu in meinem Beitrag über Suchintention“ sagt dem Leser, was ihn erwartet. „Hier klicken“ sagt ihm nichts, und eine Suchmaschine lernt daraus auch nichts.
- Variiere. Wenn jeder Link auf eine Seite exakt denselben Text trägt, wirkt das mechanisch und liest sich auch so. Natürliche Formulierungen im Satz sind besser als Schlagwortlisten.
- Setze Links dort, wo der Gedanke entsteht. Ein Link, der mitten im passenden Absatz steht, wird eher angeklickt als einer in einem angehängten Block „Weitere Artikel“. Beides darf es geben, aber der Link im Fließtext hat Vorrang.
Ein weiterer Punkt, der technisch klingt, aber wichtig ist: Ein Link muss ein echter Link sein, also ein Anker mit Zieladresse im HTML. Ein Knopf, der erst per Skript eine Seite öffnet, ist für Crawler schwerer zu lesen. Bei Menüs, Karten und Artikelübersichten lohnt sich ein Blick in den Quelltext, ob dort ein normaler Verweis steht.
Und die Menge? Eine feste Zahl pro Artikel gibt es nicht, und ich nenne dir keine, die ich nicht belegen kann. Als Orientierung genügt: so viele Links, wie ein aufmerksamer Leser tatsächlich nützlich findet. Wenn ein Absatz aus Links besteht, sind es zu viele.
Was die Verlinkung bei mir bewirkt hat und was nicht
Jetzt der ehrliche Teil, denn Erfolgsgeschichten ohne Einschränkung sind in der SEO-Welt häufig und selten verlässlich.
Ein Beispiel ist mein Beitrag zum Google Unternehmensprofil. Er ging am 2. Juli 2026 online. Am 5. August, nach 34 Tagen, kannte Google die Adresse noch immer nicht: nie gecrawlt, technisch aber alles in Ordnung. Bei der Prüfung fiel auf, dass dieser Artikel die schwächste Einbettung im ganzen Blog hatte, nur einen eingehenden Link und keinen ausgehenden auf einen anderen Artikel. Am 18. August habe ich beides ergänzt. Bei der Nachkontrolle am 1. September meldete die Search Console die URL als gefunden, aber zurzeit nicht indexiert. Google kannte sie jetzt, der Status „unbekannt“ war weg.
Das ist ein Hinweis, kein Beweis. Es gab in diesem Zeitraum weitere Änderungen auf der Website, und ich habe keinen Kontrollversuch, bei dem ich nur den Link weglasse. Was ich sicher sagen kann: Die Reihenfolge stimmt. Erst fehlte die Verlinkung, dann kam sie, dann kannte Google die Seite. Gecrawlt und aufgenommen war sie zu diesem Zeitpunkt damit noch nicht. Interne Links öffnen die Tür, sie garantieren keinen Platz im Index.
Bei der letzten Prüfung hatte jeder von meinem Werkzeug erfasste Artikel mindestens einen eingehenden Link. Offen bleibt etwas anderes: Sechs ältere Beiträge verweisen selbst noch auf keinen anderen Artikel. Dafür gilt dieselbe Regel, und sie steht bei mir auf der Liste. Ein Praxisbericht, der Lücken verschweigt, wäre keiner.
Inhaltliche Qualität bleibt die Voraussetzung. Ein dünner Text wird durch Links nicht besser. Wenn eine Seite keinen eigenen Nutzen bietet, hilft auch die beste Verlinkung nur begrenzt.
Dein Prüfplan für eine Stunde
Du brauchst dafür kein eigenes Werkzeug. Für eine Website mit bis zu etwa dreißig Seiten reicht eine Tabelle.
- Seiten auflisten (10 Minuten). Trage alle Seiten ein, die in den Index sollen: Leistungsseiten, Artikel, Referenzen. Die Sitemap liefert dir die Liste.
- Links zählen (20 Minuten). Notiere zu jeder Seite, von welchen anderen Seiten im Fließtext ein Link auf sie zeigt. Menü und Fußzeile lässt du weg. Wer Webseiten mit einem Crawler wie Screaming Frog prüft, bekommt diese Zahl auch automatisch, für kleine Seiten genügt aber der Blick in die Texte.
- Verwaiste Seiten markieren (5 Minuten). Jede Seite ohne eingehenden Link kommt oben auf die Liste. Das sind deine ersten Kandidaten.
- Passende Stellen suchen (20 Minuten). Zu jeder verwaisten Seite suchst du eine bestehende Seite, bei der der Verweis natürlich vorkommt. Schreibe einen Satz, keine Linkliste. Lies ihn laut: Würde ein Leser an dieser Stelle klicken wollen?
- Wichtige Seiten stärken (5 Minuten). Frage dich, welche zwei Seiten dir geschäftlich am meisten bringen, etwa deine SEO-Leistungen oder eine Anfrageseite. Prüfe, ob sie aus deinen Artikeln erreichbar sind.
Danach gehört die Tabelle zu deinem Ablauf: Jede neue Seite bekommt beim Veröffentlichen eine Zeile, jeder neue Artikel einen Rückverweis aus einer älteren Seite. Das dauert pro Beitrag wenige Minuten und verhindert, dass dir ein Beitrag so durchrutscht, wie es bei mir mit acht Artikeln passiert ist.
Ein Hinweis zur Reihenfolge: Hast du mehrere Maßnahmen auf einmal vor, ändere die Verlinkung getrennt von anderen großen Umbauten. Sonst kannst du später nicht mehr sagen, was gewirkt hat. Der Aufwand bleibt überschaubar, und du siehst in der Search Console nach ein bis zwei Wochen, ob sich der Status einzelner Seiten ändert.
Deine Seitenstruktur gemeinsam prüfen
Lass uns deine Seitenstruktur gemeinsam prüfen. Schreib mir über das Kontaktformular, welche Website du betreibst und wie viele Seiten sie hat. Ich schaue mir an, welche Seiten verwaist sind und wo Verweise fehlen, und sage dir, welche Änderungen sich zuerst lohnen.